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Neuer ETF setzt auf “Sündenaktien” aus den Bereichen Glücksspiel, Alkohol und Drogen

In den USA macht sich ein neuer Indexfonds bereit für seinen Marktstart. Das Besondere am BAD ETF: Er setzt auf Unternehmen, die ihr Geld mit in der Gesellschaft eher verpönten Produkten oder Angeboten verdienen.

• BAD ETF reicht Zulassungsantrag bei der SEC ein
• ETF will in Unternehmen investieren, die ihr Geld mit Glücksspiel, Alkohol und Drogen verdienen
• “Sündenaktien” mit besonderem Marktpotenzial?

Die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC hat Ende September einen Antrag zur Zulassung eines neuen ETFs erhalten. Das klingt zunächst einmal nach nichts Besonderem, doch der geplante Indexfonds sorgt dennoch für einige Schlagzeilen. Denn der BAD ETF, der von Listed Funds Trust herausgegeben werden soll, stemmt sich gegen den aktuell vorherrschenden ESG-Trend und will speziell in Papiere investieren, die gelegentlich auch als “Sündenaktien” bezeichnet werden – und von ESG-konformen Investmentfonds prinzipiell ausgeschlossen werden. So setzt sich das Akronym “BAD” aus den englischen Wörtern “Betting, Alcohol, Drugs” – additionally Glücksspiel, Alkohol und Drogen – zusammen und beschreibt damit genau den Investmentfokus des geplanten Fonds.

Aus diesen Unternehmen setzt sich der BAD ETF zusammen

Wie aus den bei der SEC eingereichten Unterlagen hervorgeht, will der BAD ETF die Performance des EQM BAD Index nachbilden, der von Thematic Investments entwickelt wurde. Dieser Index umfasst laut dem SEC-Antrag in den USA notierte Aktien sowie Hinterlegungsscheine für Aktien aus den USA und weiteren Industrie- und Schwellenländern – sogenannten ADRs und GDRs – von Unternehmen, die den größten Teil ihres Geldes mit Kasinos oder Glücksspielen, der Herstellung und dem Verkauf von Alkohol oder Cannabis und der Entwicklung von pharmazeutischen Produkten verdienen.

Um die Chance auf eine Indexaufnahme zu erhalten, müssen die Unternehmen jedoch bestimmte Kriterien erfüllen. Zum einen muss ihr durchschnittliches tägliches Trading-Volumen – betrachtet über einen Zeitraum von sechs Monaten – bei mindestens einer Million US-Dollar liegen, zum anderen muss auch ihre Marktkapitalisierung den Mindestanforderungen entsprechen. Laut den SEC-Formularen müssen Wett- und Glücksspielanbieter – dazu zählen explizit auch entsprechende Online-Dienste – eine Marktkapitalisierung von mindestens zehn Millionen US-Dollar aufweisen. Bei Alkohol- und Cannabis-Unternehmen sowie Herstellern von pharmazeutischen Mittel und Biotech-Produkten reicht indes eine Marktkapitalisierung von einer Million US-Dollar, um für die Aufnahme in den EQM BAD Index infrage zu kommen.

Laut “Capital.com” dürfen die Macher des BAD ETF aufgrund von SEC-Vorschriften momentan noch nicht sagen, wie groß der Investment-Pool an infrage kommenden Unternehmen ist oder in welche Firmen genau investiert wird. Vorstellbar wäre etwa, dass der Online-Glücksspielanbieter DraftKings – auf den auch Starinvestorin Cathie Wood setzt – im Index enthalten sein wird oder auch Cannabis-Konzerne wie Aurora Cannabis, Tilray oder Canopy Growth. Im SEC-Antrag heißt es jedoch zumindest, dass Cannabis-Unternehmen nicht mehr als zehn Prozent des Index, und damit auch des ETFs, ausmachen dürfen. Des Weiteren sollen die drei Kategorien Glücksspiel, Alkohol/Drogen und Pharmazeutische Produkte/Biotech jeweils zu einem Drittel im Index gewichtet werden.

Sportwetten, Cannabis & Co.: Einst illegale Dinge werden immer gesellschaftsfähiger

Der BAD ETF ist jedoch nicht der erste ETF, der seinen Investmentfokus auf allgemein eher verpönte Unternehmen wie etwa solche aus dem Cannabis- und Glücksspiel-Sektor legt. Laut “Yahoo Finance” wurde erst im Juli der AdvisorShares Gerber Kawasaki ETF aufgelegt, der ebenfalls in “Dinge investiert, die früher unlawful waren”. Wie “Capital.com” berichtet, sind diese Sektoren momentan vor allem auch darum interessant, weil viele US-Staaten Sportwetten und den Konsum von Cannabis zunehmend legalisieren.

Dieser Meinung ist auch Thomas Mancuso, der Präsident von Thematic Investments – dem Unternehmen, das den EQM BAD Index aufgelegt hat. “Wir sehen potenzielle Gelegenheiten in diesen Brachen, da die Regulatoren die Sektoren zunehmend annehmen”, sagte er gegenüber “Capital.com”. Thematic Investments sei laut Manusco sogar eigens zu dem Zweck gegründet worden, um den BAD ETF ins Leben zu rufen. “Es gibt eine Welle von Privatanlegern in diesen Sektoren, die eine Risikoposition besitzen, die aus einer Aktie besteht […] ETFs bieten Diversifikation”, ergänzte Manusco mit Blick auf das steigende Interesse der Anleger an Aktienunternehmen aus den Bereichen Glücksspiel, Alkohol und Drogen.

“Falls man versucht, die Portfolio-Performance zu maximieren, sollte man die sozialen Stigmata ignorieren”, bekräftigte der Präsident von Thematic Investments außerdem laut “Capital.com”. Denn sogenannte “Sündenaktien” gelten oft als besonders krisenresistent, schreibt auch “Institutional Money”. Ob das aber auch in der aktuellen Zeit der Fall ist, in der sich der Fokus von Anlegern immer mehr hin zu ESG-konformen Unternehmen und Produkten verschiebt, wird sich wohl erst im kommenden Jahr zeigen. Denn laut “Capital.com” rechnet Thomas Mancuso erst bis Mitte Dezember – additionally rund 75 Tage nach dem initialen Antrag – mit einer Zustimmung der SEC zur Auflage des BAD ETF.

Redaktion finanzen.at

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