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Commerzbank-Aktionäre: Hochrangiger Austausch: Finanzministerium spricht mehrmals mit Cerberus-Chefs


Finanzstaatsekretär Jörg Kukies hat sich mit den Chefs von Commerzbank-Großaktionär Cerberus ausgetauscht. Bei einem Termin battle auch Olaf Scholz dabei.

Die Zukunft der Geldhauses wird maßgeblich von der Bundesregierung und dem US-Finanzinvestor Cerberus abhängen, die beide an dem Institut beteiligt sind. Quelle: dpa

Commerzbank

Die Zukunft der Geldhauses wird maßgeblich von der Bundesregierung und dem US-Finanzinvestor Cerberus abhängen, die beide an dem Institut beteiligt sind.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Bundesregierung und der US-Finanzinvestor Cerberus haben als Großaktionäre viel Einfluss auf die Zukunft der Commerzbank – und beide tauschen sich auf höchster Ebene aus. Finanzstaatssekretär Jörg Kukies hatte am 22. April und am 29. Juni diesen Jahres Termine mit Cerberus-Co-Chef Frank Bruno.

Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Reinhard Houben hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Beim Gespräch im April waren auch Cerberus-Deutschlandchef David Knower und sein Kollege David Teitelbaum dabei.

Bereits am 28. August 2020 hatte es eine noch hochkarätigere Gesprächsrunde gegeben. Neben Kukies waren Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Cerberus-Mitgründer und Co-Chef Stephen Feinberg sowie Chairman John Snow daran beteiligt. Snow arbeitet seit 2006 für den Finanzinvestor und battle zuvor unter Präsident George W. Bush intestine drei Jahre lang US-Finanzminister.

Die hochrangigen Gespräche sind auch deshalb interessant, weil Cerberus erwägt, dem Bund seine Beteiligung von 15,6 Prozent an der Commerzbank abzukaufen. Darüber hatte das Handelsblatt vor drei Wochen exklusiv berichtet.

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Eine offizielle Offerte gibt es bisher aber nicht. „Dem Bundesministerium der Finanzen liegt kein Angebot vor, das zu bewerten wäre“, schreibt das Ministerium. Über den Umgang mit der Staatsbeteiligung werde „zu gegebener Zeit der interministerielle Lenkungsausschuss“ entscheiden.

Die Bundesregierung ist seit der staatlichen Rettung in der Finanzkrise 2008 an der Commerzbank beteiligt. Cerberus stieg 2017 mit rund fünf Prozent ein. Insider halten einen zeitnahen Verkauf des Bundesanteils an Cerberus oder einen anderen Interessenten vor allem für den Fall realistisch, dass FDP-Chef Christian Lindner neuer Finanzminister wird. 

Die Liberalen haben sich schließlich mehrfach für einen Rückzug des Staates aus der Commerzbank ausgesprochen. Sollte der Bund zum aktuellen Kurs aussteigen, würde er jedoch auf einem Verlust von rund vier Milliarden Euro sitzen bleiben.

Verkauf des staatlichen Anteils sei kein Thema gewesen

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Bei den jüngsten Gesprächen zwischen Kukies und der Cerberus-Spitze sei ein Verkauf des staatlichen Commerzbank-Anteils an den Finanzinvestor kein Thema gewesen, heißt es in Regierungskreisen.

Aus Sicht von Reinhard Houben, dem wirtschaftspolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, sollte dies aber nicht so bleiben. „Die Häufung der Gespräche zwischen dem Finanzministerium und Vertretern von Cerberus und Commerzbank in diesem Sommer zeigt, dass die Gesprächskanäle offen sind“, sagte er. „Nur fehlt bislang der politische Wille, um vonseiten des Bundes einen Schlussstrich unter seine misslungene Staatsbeteiligung zu ziehen.“

Der aktuelle Buchverlust des Bundes von vier Milliarden Euro verdeutliche die Risiken, die mit einem disruptiven staatlichen Eingriff in das Marktgeschehen verbunden seien, sagt Houben. „Der Staat ist eben nicht der bessere Aktionär.“

Restrukturierung der Commerzbank

Die Commerzbank steht am Anfang eines radikalen Umbaus. Bis 2024 sollen 10.000 Stellen gestrichen werden. Innerhalb des Instituts wünschen sich viele, dass der Staat während der Restrukturierung noch einige Zeit als Ankeraktionär an Bord bleibt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Übernahme des Instituts kommt, wird innerhalb der Commerzbank aktuell als gering angesehen. Das liegt neben dem mauen Aktienkurs auch an den gewaltigen Risiken, die mit dem Umbau der Bank verbunden sind. Diese okönnten potenzielle Okayäufer abschrecken.

Aus der Antwort auf die FDP-Anfrage geht auch hervor, dass es seit Jahresbeginn zahlreiche Gespräche zwischen der Leitungsebene des Finanzministeriums und der Spitze der Commerzbank gab. Staatssekretär Kukies sprach mit dem neuen Commerzbank-Chef Manfred Knof insgesamt vier mal – im Januar, März, Juni und Juli.

Der seit April amtierende Aufsichtsratschef Helmut Gottschalk hatte am 28. Juli seinen Antrittsbesuch bei Olaf Scholz. Zudem führte er Mitte Juli und Anfang September Gespräche mit Staatssekretär Kukies.

Mehr: Cerberus erwägt Kauf von Staatsbeteiligung an der Commerzbank – Aktie steigt kräftig.

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