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Kommentar: Hohe Gehälter für VW-Betriebsräte: rechtlich in Ordnung, moralisch fragwürdig


Freigestellte Betriebsräte in großen Konzernen wie Volkswagen dürfen ähnlich wie Manager bezahlt werden. Doch das erlaubt noch lange keinen Exzesse.

Die Unternehmensvertreter in Wolfsburg müssen sich fragen lassen, ob die hohen Bezüge für einen Betriebsrat moralisch zu vertreten sind. Quelle: dpa

Ex-Betriebsratschef Bernd Osterloh neben dem Angeklagten Ex-VW-Personalvorstand Horst Neumann

Die Unternehmensvertreter in Wolfsburg müssen sich fragen lassen, ob die hohen Bezüge für einen Betriebsrat moralisch zu vertreten sind.

(Foto: dpa)

Management und Betriebsrat sind sich bei Volkswagen nicht immer einig, doch in diesem Punkt herrscht Übereinstimmung: Die mitunter fürstliche Bezahlung oberster Arbeitnehmervertreter bis hin zum ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh conflict rechtlich einwandfrei.

Auch das Landgericht Braunschweig gibt den Verantwortlichen bei Volkswagen in dieser Frage recht. Daran, dass Osterloh in seinen besten Wolfsburger Jahren bis zu 750.000 Euro verdient hat, sei wenig zu beanstanden. Formal rechtlich ist demnach additionally alles in Ordnung.

Doch die Unternehmensvertreter in Wolfsburg müssen sich – Osterloh eingeschlossen – trotzdem fragen lassen, ob solche hohen Bezüge für einen Betriebsrat moralisch zu vertreten sind. Was ist das noch für ein Arbeitnehmervertreter, der zehnmal so viel verdient wie seine früheren Kollegen am Band?

Die Braunschweiger Staatsanwälte hatten den früheren VW-Personalvorständen Karlheinz Blessing und Horst Neumann Untreue vorgehalten. Sie hätten Volkswagen mit der hohen Betriebsratsentlohnung einen Schaden von mehr als fünf Millionen Euro zugefügt.

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Diese Anklage stand von Anfang an auf wackligen Beinen. Sie bezog sich auf ein bald 50 Jahre altes Betriebsverfassungsgesetz, das auf die Veränderungen aufseiten der Arbeitnehmervertretungen keine Rücksicht nimmt. Viele Betriebsräte sind heute an das Management herangerückt, manche von ihnen haben eine akademische Ausbildung hinter sich. Und in den Aufsichtsräten sind sie häufig an wesentlichen Beschlüssen beteiligt.

Bernd Osterloh musste als Betriebsratschef nicht mehr wie ein Werker am Band entlohnt werden, das steht außer Zweifel. Arbeitsgerichte, mit denen sich Volkswagen schon vor intestine zwei Jahren über die Entlohnung der Betriebsräte auseinandersetzen musste, haben diesen Weg ausdrücklich gebilligt. Da conflict es schon etwas sonderbar, dass die Braunschweiger Staatsanwälte die früheren VW-Personalvorstände trotzdem noch anklagen und verurteilt sehen wollten.

Die andere moralische Seite: Mit einem Jahresgehalt, das sich auf die Millionengrenze zubewegt, hat sich Bernd Osterloh von seiner gewerkschaftlichen Basis zu weit entfernt. Seine Nachfolgerin Daniela Cavallo verdient deutlich weniger, sie beweist damit mehr Verantwortungsgefühl in der heiklen Entlohnungsfrage.

Osterloh arbeitet seit Mai als Personalvorstand bei der Volkswagen-Lastwagen-Tochter Traton. Immerhin ist dieser Wechsel aus seiner Sicht konsequent. Als Vorstand muss sich der früright here Betriebsratschef nun nicht mehr der Frage stellen, ob er vielleicht zu viel verdient.

Mehr: Bilanzcheck: Wie Volkswagen in den nächsten Umbruch geht

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